BACI- Glückwünsche vom Herzen
Kinkeo Xayapheth Alias Kim ist 1967 in Luang Prabang geboren und hat in Laos ihre Kindheit verbracht. Mit 19 Jahren hat sie einen von 39 begehrten Studienplätzen in der DDR bekommen und studierte dort Bibliotheks- und Informationswissenschaft mit Nebenfach Germanistik. Mittendrin in Berlin hat sie den Fall der Mauer und die Wiedervereinigung erfahren. Seit 1992 lebt Kim in Hamburg und arbeitet dort als Bibliothekarin und betreibt seit neustem ein eigenes Wellness-Studio.
Interview mit Kinkeo Xayapheth von Stephan Sautter
Stephan: Könntest du mir kurz erklären was eine Baci ist?
Kim: Baci ist eine uralte Zeremonie vielleicht vergleichbar mit einer Geburtstagsfeier hier in Europa. Die Baci-Feier zelebriert man zu den folgenden Anlässen: Taufe, laotischem Neujahr, Hochzeit, Krankheit, Schicksalsschlägen, zum Ankommen oder zum Verabschieden.
Hier in Deutschland sendet man normalerweise Glückwünsche mit Postkarten, in Laos geben wir unsere Glückwünsche direkt durch eine Baci weiter. Dazu binden wir dem Gegenüber kleine Bänder ums Handgelenk und wünschen von ganzem Herzen Glück. Diese Glücksbänder tragen wir dann bis zu einem Jahr, mindestens aber drei Tage.
Stephan: Wie bereitet man eine Baci vor?
Kim: Ganz wichtig ist, dass man sich selbst reinigt, dass das Herz rein ist bevor man mit der Zeremonie beginnt. Erst dann wird eine Art kleiner Altar gefertigt. Dabei wird eine Baci-Schale mit Reis gefüllt, ergänzt um süße, saure und salzige Lebensmittel wie Hähnchen, Ei, Reiskuchen Bananen oder Obst. Vervollständigt wird dieser Baci-Altar mit Bananenblätter in Pyramidenform, die dann noch mit Blüten geschmückt werden. Ganz oben im Altar stecken Kerzen und Räucherstäbchen drin.
Die Glücksbändchen werden vorher hergestellt. Damit verbringt man viel Zeit, denn in jedes Band kommt ein Knoten. Während des Knotens spricht man ein Gebet kuan oi kuan ma das bedeutet deine Seele soll zu dir zurückkehren und bei dir bleiben, alles kehrt zum Ursprung des Seins zurück. Es ist eine sehr meditative Arbeit.
Stephan: Und die Baci selbst?
Kim: Ein Mönch oder Mor Phoon (übersetzt bedeutet das glücksbringender Arzt) wird zum eigentlichen Fest eingeladen. Durch lange Fäden, die von der Baci-Schale aus starten, werden alle Personen miteinander verbunden. Als nächstes rezitiert der Mönch eine Art Gebet. Das Gebet beinhaltet neben Glückwünschen auch Ratschläge für den Weg ein guter Mensch zu bleiben. Das ist immer ganz toll vorbereitet und wird sehr feierlich zelebriert. Hinterher verteilt der Mönch als erster die Glücksbändchen an den Gastgeber, danach die Eltern, Familie und dann die Freunde. Und wer will kann im Anschluss die Bändchen mit seinen Herzenswünschen an jeden anderen weitergeben. Dann geht das Ritual über in ein geselliges Zusammensein und in Laos ganz wichtig mit leckerem Essen und Trinken.
Stephan: Wie oft feiert ein Laote eine Baci im Durchschnitt?
Kim: Einmal pro Jahr mindestens zum Neujahr, ansonsten noch zu bestimmten Gelegenheiten der Familie. Der Geburtstag wird in Laos eigentlich nicht gefeiert.
Stephan: Erinnerst du dich noch an deine erste Baci?
Kim: Ja klar, meine erste mir gewidmete Baci war mein Abschied von meiner Mutter und Familie. Vorher habe ich an Bacis immer nur teilgenommen, diesmal war die Baci ganz bewusst für mich gemacht und ich habe diese mit meinen damaligen siebzehn Jahren sehr intensiv erlebt.
Seinerzeit hatten meine Eltern kaum Geld, es gab nur ein Ei und einen Knollen Reis auf einem Teller mit Bananenblättern. Den Teller habe ich dann in der Hand gehalten, währenddessen meine Familie mir die Glückwünsche zugesprochen hat. Ich habe geweint, weil ich nicht wusste wann ich meine Eltern wiedersehen würde. Zweiundzwanzig Jahre habe ich gebraucht um wieder nach Hause zu kommen.
Stephan: Kann man eine Baci auch außerhalb Laos feiern?
Kim: Natürlich, wenn man diese Tradition mag und diese Form des Glück Wünschens. Das geht zu jeder Zeit und zu jedem Anlass und ist nicht exklusiv auf irgendeine Religion beschränkt. Es ist etwas ganz besonderes, was man dort gibt, wie ein Stück von seinem Herzen für andere. Sehr wichtig ist deswegen das Gemeinschaftsgefühl während einer Baci. Wir Laoten machen diese Zeremonie, weil wir unsere Mitmenschen aus tiefstem Herzen lieb haben und durch die Baci unsere Wünsche persönlich weitergeben können.
Stephan: Du machst ja auch in Deutschland Baci-Zeremonien. Wie ist das für dich?
Kim: Oh Gott, mein Herz bebt dann. Ich freue mich immer sehr.
Bei einer Baci z.B. habe ich allen ein Glücksbändchen umgebunden, habe aber selbst keins bekommen. Normalerweise bekommt man als Gastgeber ganz viele Glücksbänder. Die deutschen Gäste kennen ja meine Tradition nicht, weswegen ich auch nicht traurig sein konnte. Eine Baci ist immer wie ein Stück Heimat für mich, gerne mache ich das auch in Hamburg.
Stephan: Danke für das Gespräch.


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